Main-Echo
30.01.2012
Ergänzen, nicht konkurrieren
Jugendarbeit: Erlenbachs Zentrum gibt es seit 20 Jahren - Leiter Rudi Reißmann berichtet dem Stadtrat
Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Ganztagsschule: Sind Ängste berechtigt, dadurch könne das Interesse an der offenen Jugendarbeit wegbrechen?
Ein überzeugtes »Nein« kam vom Leiter des kommunalen Jugendzentrums, Rudi Reißmann, am Dienstag im Stadtrat. Er sagte auch im Hinblick auf die Angebote der Vereine: »Es geht nicht um Konkurrenz. Ergänzung ist wichtig.«
Bewährte Einrichtung
Seit nunmehr 20 Jahren gibt es das Jugendzentrum in der Liebigstraße - damals nach großen Diskussionen eröffnet, wie sich altgediente Ratsmitglieder erinnerten, heute eine bewährte Einrichtung, die aus dem städtischen Angebot nicht mehr wegzudenken ist. Reißmann ist zuversichtlich, dass es dabei bleibt.
Das leitete er unter anderem aus den Zahlen ab, die er dieses Mal im Rahmen seines alljährlichen Berichts vorstellte. Die Besucherzahl 2011 sei höher gewesen als in den beiden Jahren zuvor. Wie alle vier Jahre, hat das Jugendzentrumsteam eine Statistik erstellt. Grundlagen hierfür: bei der Stadtverwaltung erfragte Informationen sowie die Zahl der 14- bis 21-Jährigen, die vom 14. bis 18. November 2011 das Jugendhaus besucht haben und berechtigt waren, ihre Stimme bei der Wahl des Jugendrats abzugeben. Auch die Auskünfte der genau 99 Jugendlichen flossen in die Auswertung ein.
2003 hatte es laut Reißmanns Aufstellung in Erlenbach 1314 Jugendliche im Alter von zwölf bis 21 Jahren gegeben, 2011 waren es 1277, von denen 37 Prozent in der Siedlung und 31 Prozent östlich der Entlastungsstraße wohnten. In der Liebigstraße - also nahe dem Jugendzentrum - waren 138 Jugendliche daheim (größte Anzahl im Vergleich der 160 Straßen Erlenbachs). Die stärksten Jahrgänge seit 1990 gab es 1993 (145) und 1992/1998 (je 141), seit 2002 wird die Zahl 100 Kinder pro Jahr nicht mehr erreicht. 2005 lag sie bei 74, 2006 bei 86.
Wer kommt wann?
Von den 99 Besuchern des Jugendhauses in der genannten Novemberwoche waren 62 deutsch, 34 türkisch, drei hatten eine andere Nationalität. 34 von ihnen kamen aus der Siedlung, 31 aus der Liebigstraße, neun aus Erlenbach-Mitte, zehn aus »Ost«, 14 aus anderen Gemeinden. Fast 40 Prozent waren Mittelschüler, 31 Prozent Besucher weiter führender Schulen. Ab 16 Uhr trafen Ganztagsschüler ein, ab 18 Uhr (bis 21 Uhr) Berufstätige. Da eine Fachkraft des Jugendzentrums auch in der schulischen Jugendsozialarbeit tätig ist, sei eine gute Kommunikation gewährleistet, so Reißmann auf Nachfrage. Viele Jugendliche seien in Vereinen engagiert: muslimische Jugendliche natürlich nicht gerade in der KJG, wohl aber in Sportvereinen. Gern hätten die jungen Leute 2011 das vielfältige Angebot des Jugendzentrums wahrgenommen - vom selbst organisierten Konzert bis zum Plätzchenbacken für türkische Jungen. Auch 2012 soll es wieder zwei Wochen lang ein ganztägiges Ferienprogramm geben.
Reißmanns Ausblick: Mit großen Veränderungen in der Jugendorganisation sei zwar zu rechnen, aber: »Wir sind gut vorbereitet und aufgestellt. Wenn uns der Stadtrat weiterhin unterstützt, werden wir die Veränderungen tragen.« Barbara Schmidt
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