Main-Echo

27.05.2011

 

Partystimmung nur mit Alkohol? Barbarossaschüler diskutierten mit jungen Theaterdarstellern des Chapeau-Claque-Vereins. Foto: Sylvia Breckl

 

Von Komasaufen und Partystimmung

Theater im Klassenzimmer: Erlenbacher Barbarossaschüler nehmen interaktiv an Projekt zur Suchtprävention teil

»Wer mit mir Party machen will, muss locker drauf sein«, sagt Nina zu ihrem Freund Basti. Der tut sich schwer, aus sich herauszugehen und mit seiner Freundin zu tanzen. Während Nina Freunde begrüßt und Spaß hat, fängt Basti an zu trinken - nicht nur Bier, sondern auch harte Drinks. Als er dann ausfällig wird, lässt ihn Nina letztlich am Boden liegen mit den Worten: »Mit so einem besoffenen Arsch geb’ ich mich nicht ab!« Und Basti betäubt auch noch den Rest seines Bewusstseins mit Wodka & Co.

Motto »weniger ist mehr«

Die Szene ist gespielt. Doch die 120 Acht- und Neuntklässer der Barbarossaschule, die am Dienstag zu Partygästen im Klassenzimmer wurden, können sich in die Handlung hineinversetzten. »Am Limit« heißt das interaktive Theaterstück, mit dem das zweiköpfige Ensemble des Chapeau-Claque-Vereins, ein Kinder- und Jugendtheater aus Bamberg, zum Thema Komasaufen in die Klassenzimmer geht. Anlass ist die bundesweite Aktionswoche der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen in Kooperation mit den Landeszentralen für Gesundheit. Unter dem Motto »Alkohol? Weniger ist mehr« sollen Jugendliche auf die Risiken übermäßigen Alkoholkonsums aufmerksam gemacht werden.

Dass Verbote dabei nicht viel bringen, lehrt die Erfahrung. »Ohne Vorglühen kein Aufglühen - ohne Alkohol keine Stimmung« - Dieses Thema wurde mit den Schülern diskutiert, als mögliche Gründe fürs Trinken wurden Frust, Wut, Eifersucht, aber auch Langeweile oder Gewohnheit genannt.

Jeder hat selbst die Wahl

Schauspieler und Schüler besprachen gemeinsam das Theaterstück und spielten mögliche Alternativen zum Ausgang der Geschichte nach. Dabei wurde deutlich, dass jeder Einzelne die Wahl hat, sich eigenverantwortlich und anders zu verhalten, und dass Alkoholstimmung kein Garant für Aufgeschlossenheit und Kontaktfreude ist, sondern vielmehr massiv den Charakter verändern kann.

»Immer wenn er trinkt, macht er verrückte Sachen«, analysierte ein Schüler das Verhalten von Basti. Ein Mädchen erkannte, dass Nina viel selbstbewusster und kontrollierter ist, sich aber auch mehr um ihren Freund hätte kümmern können.

Mit Jugendlichen auf Augenhöhe

Dass die Barbarossaschüler bereitwillig und diskussionsfreudig mitmachten, lag sicher auch daran, dass sich die beiden Schauspieler absolut auf Augenhöhe mit den Jugendlichen befanden, deren Alltagssprache, Kleidung und Musik verwendeten.

»So kommt man an die Schüler ran«, freute sich Bruno Bachmann vom Rotary Club Obernburg, der sich für dieses Jahr das Thema Suchtprävention auf die Fahnen geschrieben hat. Daher hat der Rotary Club das Theaterprojekt auch an vier Schulen aus der Region sponsert. Chapeau Claque ist mit 14 Aufführungen an acht Volksschulen und Gymnasien landkreisweit unterwegs und erreicht damit knapp 720 Schüler, so Thomas Steger von der Koordinationsstelle Suchtprävention des Landratsamts Miltenberg. Laut seiner Statistik hat sich das Trinkverhalten von Jugendlichen in den vergangenen Jahren doch erheblich verändert: Während junge Menschen früher regelmäßig Alkohol konsumiert haben, trinken Jugendliche heute insgesamt weniger, dafür aber exzessiver: 73 Prozent der 16- bis 19-Jährigen hatten bereits mindestens einen Alkoholrausch. Und: Den ersten Kontakt zu Alkohol haben Jugendliche oft bei Familienfeiern.

Sylvia Breckl

 

Hintergrund: Alkohollimit für gesunde Männer und Frauen

Alkoholkonsum ohne gesundheitliches Risiko gibt es nicht, warnt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen. Alkohol ist demnach ein Zellgift, dessen Risiken für körperliche und seelische Erkrankungen häufig unterschätzt werde. Als Grenzwerte werden für Frauen pro Tag nicht mehr als 0,3 Liter Bier oder 0,1 Liter Wein/Sekt oder vier Zentiliter einer Spirituose (wie Likör, Korn, Wermut oder Ähnliches) empfohlen. Für Männer gilt: Nicht mehr als 0,6 Liter Bier pro Tag oder 0,2 Liter Wein/Sekt oder acht Zentiliter einer Spirituose. Außerdem sollte man an wenigstens zwei Tagen der Woche gar keinen Alkohol trinken, um eine Gewöhnung zu vermeiden.

Die Trinkmengen der verschiedenen alkoholischen Getränke enthalten etwa 12 beziehungsweise 24 Gramm reinen Alkohols und gelten für gesunde Frauen und Männer. Mehr Informationen im Internet unter www.aktionswoche-alkohol.de. (syb)