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Main-Echo 12.02.2011
Hat ein offenes Ohr: Die türkische Generalkonsulin Ece Öztürk Cil (Dritte von links) an einem Tisch mit Jugendzentrumsleiter Rudi Reißmann, Awo-Projektleiterin Anne Tulke und Agendakreis Mitarbeiterin Ayfer Güney (von links).
Mittel und Wege zur Integration Besuch: Türkische Generalkonsulin Ece Öztürk Çil besichtigt ICO und informiert sich über Awo-Projekte in Erlenbach »Alt, doch modern und menschenfreundlich.« Die türkische Generalkonsulin Ece Öztürk Çil aus Nürnberg zeigte sich beeindruckt vom Industrie Center Obernburg (ICO). Dass es einen so großen Industriestandort am Untermain gibt, wo viele ihrer Landsleute arbeiten und leben, habe sie nicht gewusst. Auf Einladung des Agenda Arbeitskreises Kultur und Soziales (AK) kam Öztürk Çil am Donnerstag zum Besuch angereist. Auf dem Programm stand neben der Eintragung ins Gästebuch der Stadt Erlenbach auch eine Betriebsführung der Firmen Mainsite Services und Cordenka sowie ein Besuch der Büros der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und des AK. Bildung ist wichtig Das ICO habe die richtige Vision, sagte Öztürk bei der Besichtigung der Produktionsabläufe. Hier zeige sich, dass es sich lohnt, den Industriestandort Deutschland zu erhalten. Die türkische Generalkonsulin stimmte mit Mainsite-Geschäftsführer Albert Franz darin überein, dass ein »beidseitiges Interesse« bestehe: Bildung sei wichtig, denn ein Betriebsstandort sei auf gut ausgebildete Arbeitnehmer angewiesen. Dass in der ehemaligen Glanzstoff bereits mehrere Generationen von Türken arbeiten, zeige, dass es ihnen hier gut ginge, schlussfolgerte die Generalkonsulin. Gegenseitiges Vertrauen Von den rund 3000 Beschäftigten des ICO sind etwa 17 Prozent Ausländer, ungefähr 13 Prozent Türken. Die letzte Anwerbung türkischer Gastarbeiter hat hier 1964 stattgefunden. Damals wurden sie für ein Jahr in der Produktion angestellt, berichtete Franz in einem Rückblick. Die Firma habe Wohnblocks für die Gastarbeiter gebaut, die später zu Eigentumswohnungen wurden. Die Firma sorgte für Sprachkurse und Dolmetscher. Es gab eine eigene türkische Werkszeitung, die in den 80er Jahren aber abgeschafft wurde. Wie viele der Angestellten insgesamt türkischer Abstammung seien, sei nicht bekannt, so Pressesprecher Thilo Berdami. Viele fielen aus der Statistik heraus, weil sie längst die deutsche Staatsbürgerschaft haben. Die Fluktuation sei gering, unter den überwiegend in der Produktion tätigen Mitarbeitern befänden sich inzwischen auch türkische Ingenieure. »Integration ist betriebsintern kein Thema«, betonte Betriebsrat Roland Berninger. Niemand habe ein Problem damit, einen türkischen oder einen deutschen Arbeitervertreter zu wählen. Das Vertrauen sei gegenseitig. Auch heute engagiere sich ICO für die Belange seiner ausländischen Mitarbeiter und nehme Rücksicht auf kulturelle Besonderheiten. »An Ramadan versuchen wir so zu planen, dass Muslime nicht für die Nachtschicht eingeteilt werden«, so Berdami. Auch das Integrationsprojekt »Lebensmittelpunkt« der Awo unterstütze man mit Geld- und Sachspenden.
Deutschkurse und Frauentreff Dass man hier besonders auf eine Finanzspritze angewiesen ist, machten Awo-Vorsitzende Ingrid Kaiser sowie die Projektleiterinnen Anne Tulke und Conni Großmann klar: »Wir haben viele Ideen, aber keine Mittel.« Das Problem sei, so Tulke, dass das Integrationsprojekt für Frauen mit Migrationshintergrund vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge auf drei Jahre begrenzt ist. Dann stünden viele ausländische Frauen, die regelmäßig die Angebote wie Frauentreff, Deutschkurse und pädagogisch betreute Mutter-Kind-Gruppen wahrnehmen, wieder ohne Unterstützung in ihrem deutschen Alltag da. Projekte wichtig für Integration Ulrike Neuberger Bornhorst vom AK berichtete außerdem von einer türkischen Mädchengruppe, die man im Jugendzentrum mit Hilfe von Sozialpädagoginnen aufbauen wolle. Neue Freizeitmöglichkeiten sollen das Selbstbewusstsein junger, türkischer Frauen stärken. Öztürk Çil zeigte sich dankbar für die Einladung und versprach, durch ihre Kontakte sowohl der Begegnungsstätte der Awo als auch dem AK »gerne behilflich« zu sein. Konkret gab es eine Einladung für den AK und das Awo-Team nach Nürnberg sowie Ansprechpartner für die im Oktober geplante Reise des AK nach Istanbul. Auch die von Tulke angedachte Infoveranstaltung an Schulen für Eltern türkischer Kinder sowie eine Konferenz zu »50 Jahre Migration« will die Generalkonsulin unterstützen. Öztürk Çil erinnerte daran, dass sich im Oktober der 50. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerberabkommens nähere. »Hauptsache, der gegenseitige Wille ist da, dann finden wir auch Mittel und Wege«, sagte die Generalkonsulin, nachdem sie einen ganzen Tag ein offenes Ohr für die Belange in Erlenbach gezeigt hatte. Sie sprach dem AK Kultur und Soziales sowie dem Awo-Projekt großes Lob aus: »Solche Projekte sind wichtig für die türkische Integration.« Sylvia Breckl
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